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Weeze - Renaturierung „Graben am Tichelkamp“

Mitteilung vom 08.09.2020 (archivierte Mitteilung)

von links nach rechts: Michaela Marliani-Sieben (Wasser- und Bodenverband Baaler Bruch), Bürgermeister Ulrich Francken, Jessica Kruchem (Fraktionsvorsitzende der Grünen), Norbert Thul (Fraktionsvorsitzender der SPD), Rolf Hörster (stellvertretender Bürgermeister), Norbert Tombergs, Hermann Quinders (beide vom Wasser- und Bodenverband Baaler Bruch), Guido Gleißner (Fraktionsvorsitzender der CDU) und Landschaftsplanerin Sabine Seeling-Kappert

Der „Graben am Tichelkamp" verläuft heute noch unscheinbar am nordwestlichen Rand von Weeze zwischen dem Baugebiet Grafscher Weg und dem Neubaugebiet Phillipsen-Wiesen. Es handelt sich um ein Nebengewässer des Ottersgrabens und somit der Niers. Das Grabenprofil ist heute technisch ausgebaut, der Verlauf geradlinig. Der Graben führt ganzjährig Wasser und nimmt auch Regenwasser aus den angrenzenden Siedlungsflächen auf. Bei starken Niederschlagsereignissen, die an Häufigkeit und Menge immer mehr zunehmen, entwickelt das Wasser im Graben relativ hohe Fließgeschwindigkeiten. Im Mündungsbereich zum Ottersgraben kommt es zum Rückstau.

Mit der Neubebauung im Bereich Phillipsen-Wiesen wurde ein breiter Grünlandkorridor von z.T. mehr als 50 Metern von der geplanten Wohnbaulandentwicklung ausgespart, um hier eine Gewässerrenaturierung durchzuführen und zusätzlichen Retentionsraum zur Aufnahme von Niederschlagswasser aus dem Weezer Siedlungsbereich zu schaffen. Im Rahmen dieser Maßnahme soll das Gewässer, das ganzjährig Wasser führt, aus seinem Bachbett entnommen und in den Grünlandkorridor verlegt werden. Die Ufer werden teilweise abgeflacht, so dass das Gewässer bei erhöhter Wasserzufuhr häufiger aus seinem Bachbett austritt.

Die Wiesenfläche übernimmt die Funktion einer Ersatzaue mit hoher ökologischer Bedeutung. Durch Bodenabtrage werden Retentionsbereiche zur Aufnahme von zusätzlichem Niederschlagswasser geschaffen. Der Bodenaushub soll im Randbereich des Grünlandkorridors und zur Verfüllung des alten Grabenverlaufs soweit wie möglich vor Ort wieder eingebaut werden. Bei der Maßnahme handelt es sich um eine Gewässerrenaturierung i.S. der Wasserrahmenrichtlinie. Die Gemeinde Weeze hat daher nach der Plangenehmigung des Vorhabens durch den Kreis Kleve bei der Bezirksregierung Düsseldorf Zuwendungen zur Projektförderung beantragt. Diese wurden nun in der Höhe von 268.000 Euro bewilligt, was 80% der Gesamtkosten entspricht.

Der Weezer Rat hatte grünes Licht für die weitere Planung gegeben, um die Umsetzung in die Wege zu leiten. Nunmehr erfolgte die Bewilligung durch die Bezirksregierung. Mit dem Baubeginn ist vermutlich im nächsten Jahr zu rechnen. Sofern es die Bodenverhältnisse zulassen, kann der Bagger vielleicht auch schon etwas früher mit den Arbeiten starten.

Ergänzungen des Wasser- und Bodenverbandes

Der Graben am Tichelkamp liegt mitten im Verbandsgebiet des Wasser- und Bodenverbandes Baaler Bruch, der als Körperschaft des öffentlichen Rechts satzungsgemäß hoheitliche Aufgaben seiner Mitgliedskommunen wahrnimmt. Der WBV Baaler Bruch ist Maßnahmenträger für alle Gewässerrenatu-rierungen im Sinne der EG-Wasserrahmenrichtlinie an den sog. „berichtspflichtigen Gewässern" im Verbandsgebiet. Bezogen auf Weeze sind das beispielsweise der Ottersgraben und die Kendel.

Der Graben am Tichelkamp ist kein sog. „berichtspflichtiges Gewässer", umso mehr begrüßt der WBV ausdrücklich das Engagement der Gemeinde Weeze. Der WBV wurde frühzeitig in die Planungen der Gemeinde Weeze mit eingebunden, so dass es ihm nach der Maßnahmenumsetzung möglich ist, seiner satzungsgemäßen Aufgabe der Gewässerunterhaltung sowohl nach ökologischen als auch ökonomischen Anforderungen nachzukommen.

Aus Sicht des WBV ist es ein tolles Projekt, von dem wir nicht nur auf positive ökologische Auswirkun-gen für das gesamte Gewässerumfeld, sondern auch auf ökologische Effekte im Sinne der „Strahlwirkung" auf den Ottersgraben hoffen.