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Bürgermeister Ulrich Francken im Interview mit den Niederrhein Nachrichten

Mitteilung vom 23.05.2019

Fragen vor der Europa-Wahl an Weezes Bürgermeister Ulrich Francken, den amtierenden Vorsitzenden der Euregio Rhein-Waal.

Ulrich Francken, Bürgermeister der Gemeinde Weeze

Dem öffentlich-rechtlichen Zweckverband sind 54 Kommunen und regionale Behörden auf deutscher und niederländischer Seite angeschlossen. Das Anliegen der Euregio Rhein-Waal ist die Verbesserung und Intensivierung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in Gesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und im Leben der Menschen. Sie ist der erste öffentlich-rechtliche Zweckverband in Europa.

Worin bestehen die Ziele der Euregio?

Ulrich Francken: Die Euregio Rhein-Waal hat als wichtigstes Ziel, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu verbessern und zu intensivieren. Im Arbeitsgebiet der Euregio Rhein-Waal bestehen viele Möglichkeiten für eine starke wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung. Die Euregio Rhein-Waal bringt Partner zueinander, um gemeinsame Initiativen zu starten und so Synergie-Effekte zu nutzen.

Welche Aufgaben hat die Euregio?

Ulrich Francken: Die Interessenvertretung der Mitglieder und Einwohner stehen im Fokus. Weiterhin gilt es, über Netzwerke die Zusammenarbeit zu pflegen und Verbesserungen zu erreichen; „Runde Tische“ in den Bereichen öffentliche Ordnung/Sicherheit, Grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung, Beratung und Informationen für Bürger in den Grenzinfopunkten sowie Beratung, Entwicklung und Begleitung von Projekten in der EU-Förderung.

Worin sehen Sie die Chancen und die Herausforderungen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit?

Ulrich Francken: Im Bereich Arbeitsmarkt gibt es Unterschiede in der Gesetzgebung für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Eine einheitliche EU-Gesetzgebung würde hier eine Lösung bieten. In der Bildung bestehen die Herausforderungen unter anderem in der Anerkennung von Schulabschlüssen. Die EU hat zwar Richtlinien bzgl. der Anerkennung von Schulabschlüssen erlassen, doch unterschiedliche Interpretationen erschweren die gegenseitige Anerkennung. Bei den Themen Sicherheit, Gesundheit und Pflege wäre der grenzüberschreitende Einsatz von Feuerwehr, Polizei, Katastrophenschutz und Rettungswesen ein Fortschritt der Zusammenarbeit. Auch das Thema „soziale Kohäsion“, also die Angleichung der Lebensverhältnisse, ist eine Chance für die Grenzregion. Europa der Regionen und nicht der Nationen.

In welchen Projekten engagiert sich die Gemeinde Weeze?

Ulrich Francken:Weeze ist Leadpartner bei Dynamic Borders. Hier arbeiten wir mit Bergen, Gennep, Boxmeer, Cuijk und Goch zusammen. Deshalb haben sich auch das Regionaal Bureau voor Toerisme Land van Cuijk, der Industriële Kring Land van Cuijk en Noord-Limburg, agrobusiness Niederrhein e.V., Niederrhein Tourismus GmbH und Stichting Leisure Port dem Projekt angeschlossen.

Das Projekt hat drei Schwerpunkte. Als Erstes wird eine grenzüberschreitende interlokale Agrifoodplattform errichtet, an die letztendlich ca. 100 feste Mitglieder aus deutschen und niederländischen Unternehmen angeschlossen sein werden. Ein zweites Ziel des Projekts ist es, Jüngere grenzüberschreitend in die Region zu ziehen und/oder an diese zu binden. Hierfür wurde ein grenzüberschreitender Praktikumsvermittler angestellt. Innerhalb der Projektlaufzeit werden 320 deutschen und niederländischen Jugendlichen ein Praktikumsplatz im Nachbarland im Agrofoodsektor angeboten und vermittelt. Dazu wird ein Netzwerk mit Unternehmen, Schulen, dem „GrenzInfoPunkt“ und anderen Praktikumseinrichtungen aufgebaut. Und drittens ist auch der Tourismus ein wichtiger wirtschaftlicher Sektor für die sechs Kommunen. Um mehr Touristen anzuziehen, wurde ein umfangreiches Paket von Maßnahmen geschnürt. Bestehende Radrouten werden aufgewertet und miteinander verbunden, es kommen mehr Ladestationen für E-Bikes und es werden neue (mehrtägige) touristische Arrangements entwickelt. Der gesunde Geschmack, Kulinarisches, Agrotourismus und Barrierefreiheit sind hierbei einige Stichwörter, die für eine deutliche Profilierung sorgen werden. Neue Fahrradrouten und ein Foodtruck sind einige konkrete bereits realisierte Beispiele. Die Projektkosten betragen 726.831,50 Euro, die EU fördert das Projekt mit 363.415,75 Euro. Es endet am 30. September 2020

Welche Projekte gibt es noch?

Ulrich Francken: Weeze engagiert sich mit Wemb im Projekt „Krake“. Darin greifen die beteiligten niederländischen und deutschen Dörfer die Auswirkungen des demografischen Wandels im ländlichen Raum gemeinsam mit der Euregio Rhein-Waal auf. Ziel ist der Erhalt bzw. die Verbesserung der Lebensqualität und sozialen Zukunftsfähigkeit der kleinen Dörfer. Die nachhaltige Stärkung des Selbstmanagements von niederländischen und deutschen Dörfern steht im Focus der Themenfelder: Sorge, Wohnen, gesunder Lebensstil, kinderfreundliche Dörfer, Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und das Ehrenamt sowie DNA des Dorfes. Zu jedem Themenfeld entsteht eine Zusammenarbeit mit mehreren Pilotdörfern. In engem Zusammenschluss und mit beteiligten Hochschulen werden innerhalb dieser Arbeitsgruppen Konzepte entwickelt und realisiert.

Beteiligt sind Experten der FH Münster, Hochschule Arnheim und Nimwegen (HAN), Hochschule Rhein Waal (HSRW), Handwerkskammer Münster und der Kreishandwerkerschaft Borken, die im Projekt ganz unterschiedliche, wissenschaftlich erprobte Lösungen direkt vor Ort umsetzen. Projektende ist der 30. Juni.

Gibt es auch Projekte, die die Menschen vor Ort betreffen?

Ulrich Francken: Ja klar, und das ist uns sehr wichtig. Bei den Mini-Projekten sind wir aktiv: Seit Jahren organisieren wir gemeinsame Konzerte ohne Grenzen. Jedes Jahr ist eine andere Kommune für die Organisation verantwortlich. Während der Konzerte treten Musikvereine und Gesangsgruppen aus den Kommunen Gennep, Bergen, Goch, Weeze, Cuijk und Boxmeer auf. Die Gemeinde Weeze und Bergen organisieren jährlich in Kooperation mit mini-art für eine niederländische und eine deutsche Schulklasse eine Theaterwoche.

Die Mitglieder der Alten-und Rentnergemeinschaft Weeze treffen sich jährlich, abwechselnd in Deutschland und den Niederlanden mit Mitgliedern vom KBO Beek.

Was ist Ihnen wichtig?

Ulrich Francken: Dass die Menschen sich treffen, miteinander sprechen. Da entsteht Vertrauen und wo Vertrauen ist, da entsteht ein Miteinander zum Wohle aller. Europa ist eine Gemeinschaft von Frieden, Freiheit und Sicherheit. Über 70 Jahre Frieden sind nicht selbstverständlich, das gilt es, bewusst zu machen und über die Erinnerung und das Gedenken an Krieg und Gewalt der Jugend zu vermitteln. Geht wählen und überlasst es nicht den anderen, eure Zukunft zu sichern. Nicht zu wählen stärkt die extreme Parteien. Man sollte die Parteien unterstützen, die Europa wollen.